Forschungsprojekte

Von Zeit zu Zeit planen wir spezielle Forschungsprojekte, um Themen von grossem Interesse genauer zu untersuchen. Manchmal betreffen diese nur einen Teil der Kinderkrebsüberlebenden, z. B. diejenigen, die in einer bestimmten Region leben, einen bestimmten Tumor hatten oder eine bestimmte Behandlung erhalten haben.
Im Folgenden finden Sie unsere laufenden sowie abgeschlossenen Forschungsprojekte.

Laufende Forschungsprojekte

Langfristige Lebensqualität (SCCSS-HRQOL)

Krebserkrankungen und ihre Behandlungen können sich später auf Gesundheit und Lebensqualität auswirken. Das Ziel heutiger Behandlungen ist, dass Betroffene nicht nur überleben, sondern später eine Lebensqualität haben, die der von Gleichaltrigen ähnelt. Wir wissen aber noch nicht gut, wie sich die Lebensqualität verändert, wenn Betroffene älter werden, sich ihre Lebensumstände ändern und gesundheitliche Probleme häufiger auftreten.

Die Lebensqualitäts-Studie (SCCSS-HRQOL) untersucht, wie sich die Lebensqualität im Laufe der Zeit verändert, und warum. Die Swiss Childhood Cancer Survivor Study gibt es seit 2007. Sie verschickt Fragebogen an Menschen, die als Kind Krebs hatten und in der Schweiz leben. Darin geht es um Lebensqualität und weitere wichtige Lebensbereiche wie Ausbildung und Sport. Wir vergleichen die Lebensqualität zwischen dem ersten und den späteren Fragebögen. Ausserdem untersuchen wir, was bei Personen unterschiedlich ist, deren Lebensqualität besser geworden ist, gleich geblieben ist oder schlechter geworden ist.

Weil sich Gesundheitssysteme und Lebensstil weltweit unterscheiden, vergleichen wir zusätzlich Betroffene aus der Schweiz mit Betroffenen aus den USA. So wollen wir besser verstehen, warum sich die Lebensqualität verändert. Die Ergebnisse sollen Ärztinnen und Ärzten helfen, diejenigen zu erkennen, die mehr Unterstützung brauchen. Damit können Behandlung und Nachsorge besser geplant werden – zum Beispiel mit gezielten Kontrollen, Förderung eines gesunden Lebensstils und mehr sozialer Unterstützung sowie Tipps zur Selbstfürsorge.

Dieses Projekt wird von Krebsforschung Schweiz  (KFS-6105-02-2024) und Kinderkrebs Schweiz finanziert. Grit Sommer, PhD, PD leitet das Projekt zusammen mit Kinderonkologinnen und -onkologen sowie Fachpersonen für Lebensqualität. Das Team arbeitet auch mit Forschenden des St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis (TN), USA zusammen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Grit Sommer, PhD, PD (gritti.sommer@unibe.ch) oder Tiara Greber (tiara.greber@unibe.ch).

Gesundheitsverhalten nach Krebs im Kindes- und Jugendalter

Ein gesunder Lebensstil, zum Beispiel körperlich aktiv sein und sich gesund ernähren, ist für alle wichtig. Das hilft, das Risiko für schwere Krankheiten zu senken und verbessert die Lebensqualität. Ungesunde Gewohnheiten wie Rauchen oder Alkohol trinken können dagegen das Gegenteil bewirken.
In der SCCSS-Studie zum Gesundheitsverhalten möchten wir besser verstehen, wie Menschen leben, die als Kind Krebs hatten. Wir schauen uns Faktoren wie Alter, Geschlecht oder die Krebsart an, die Entscheidungen im Alltag beeinflussen können. Weil sich solche Gewohnheiten oft schon früh im Leben entwickeln, konzentrieren wir uns auf junge Betroffene im Alter von 5 bis 29 Jahren. Unser Ziel ist es, Gruppen zu erkennen, die zusätzliche Unterstützung brauchen könnten, um langfristig gesund zu bleiben und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Dieses Projekt wird von der Krebsforschung Schweiz (KFS-6346-02-2025) finanziert und von Prof. Claudia Kuehni, MD geleitet.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Anna Scarpellini, MD (anna.scarpellinipancrazi@unibe.ch) oder Oliver Schulz, MSc (oliver.schulz@unibe.ch).x

Wachstum und Gewicht nach einer Krebserkrankung im Kindesalter (Wachstumsstudie)

Während und nach einer Krebsbehandlung im Kindesalter haben Kinder oft Probleme wie Gewichtsverlust, starkes Zunehmen, langsameres Wachstum oder eine kleinere Körpergrösse im Erwachsenenalter. Ein ungesundes Gewicht kann später die Lebensqualität senken und das Risiko für Diabetes und Herzprobleme erhöhen.
In dieser Studie wollen wir verstehen, wie sich Gewicht und Körpergrösse von Kindern während und nach der Krebsbehandlung verändern. Wir möchten herausfinden, bei welchen Krebsarten, Behandlungen und Zeitabschnitten das Risiko für ungewöhnliche Veränderungen von Gewicht und Körpergrösse besonders hoch ist. Das hilft, Kinder gut zu überwachen und bei Bedarf frühzeitig zu handeln. Dafür werten wir Grössen- und Gewichtsmessungen aus Spitälern und Registern in der Schweiz, Portugal und Slowenien aus. Zusätzlich entwickeln wir im Rahmen der International Guidelines Harmonization Group (IGHG) internationale Empfehlungen, die Ärztinnen und Ärzten und anderen Fachpersonen dabei helfen, das Gewicht von Menschen zu begleiten, die als Kind Krebs hatten.

Finanziert wird das Projekt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF, Grant-Nr. 10.007.011) und von der Krebsforschung Schweiz (KFS-6351-02-2025-R).

Geleitet wird es von Fabiën Belle, PhD, und Christina Schindera, MD, PhD. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Fabiën Belle, PhD (fabien.belle@unibe.ch) oder Christina Schindera, MD, PhD (christina.schindera@unibe.ch).

Bewegung nach einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter (SCCSS-Activity)

Kinder, die eine Krebsbehandlung hinter sich haben, sind echte Kämpfer/-innen! Ihre Gesundheit bleibt auch nach der Therapie ein wichtiges Thema. Genügend Bewegungsaktivität ist dafür zentral: Sie trägt dazu bei, dass es uns körperlich und mental gut geht.

Mit der SCCSS-Activity-Studie wollen wir das Bewegungsverhalten nach Krebs im Kindes- oder Jugendalter besser verstehen. Dafür nutzen wir einen kleinen Bewegungssensor, den ehemalige Kinderkrebspatient/-innen eine Woche lang durchgehend am Oberschenkel tragen – in der Schule oder in der Arbeit, beim Essen, Duschen, Filme schauen, beim Velo fahren oder Fussball spielen. Den Sensor erhalten die Teilnehmenden bequem per Post.

Anhand der Daten vom Sensor können wir dann berechnen, wie viel Zeit ehemalige Kinderkrebspatient/-innen mit Bewegung verbringen. Wir können auch auswerten, wie viel sie sitzen, stehen und schlafen. So möchten wir herausfinden, welche Betroffenen besonders von speziellen Bewegungsangeboten profitieren könnten, um die Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern.

Das Projekt wird von Kinderkrebs Schweiz und der Uni Bern Forschungsstiftung finanziert und durch Dr. Carina Nigg, Dr. med. Christina Schindera, und Prof. Dr. med. Claudia Kuehni geleitet.

Für weitere Informationen können Sie sich an Oliver Schulz (oliver.schulz@unibe.ch) oder ans Studienteam unter sccss-activity.ispm@unibe.ch wenden.

Sonnenschutz und Hautkontrollen nach Krebs im Kindes- und Jugendalter (SunCare-Studie)

Menschen, die als Kind oder Jugendliche Krebs hatten, müssen besonders gut auf ihre Haut achten. Behandlungen wie Bestrahlung, Chemotherapie oder eine Stammzelltransplantation können die Haut empfindlicher machen und das Risiko erhöhen, später im Leben an Hautkrebs zu erkranken.

In der SunCare-Studie fragen wir Betroffene, wie sie sich vor der Sonne schützen, ob sie schon Sonnenbrand hatten und ob sie ihre Haut regelmässig bei einer Ärztin oder einem Arzt kontrollieren lassen. Indem wir Bereiche erkennen, in denen man die Hautpflege verbessern kann, möchten wir das Bewusstsein stärken und die Vorbeugung verbessern. Langfristig wollen wir das Hautkrebs-Risiko senken und die Gesundheit von Betroffenen ein Leben lang unterstützen.

Dieses Projekt wird von der Stiftung für krebskranke Kinder, Regio Basiliensis finanziert und von Carina Nigg, PhD, Christina Schindera, MD, PhD, und Prof. Claudia Kuehni, MD geleitet.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Prof. Claudia Kuehni, MD (claudia.kuehni@unibe.ch) oder Christina Schindera, MD, PhD (christina.schindera@unibe.ch).

Spätfolgen der Lunge nach einer Krebserkrankung im Kindesalter (Pulmo-Studie)

Krebsbehandlungen können sowohl während als auch nach der Therapie zu Lungenproblemen führen. Lungenprobleme bleiben zunächst oft unbemerkt, da die Lunge Einschränkungen lange Zeit kompensieren kann. Spezielle Lungenfunktionstests sind harmlose und schmerzfreie Untersuchungen, und können problematische Veränderungen der Lunge frühzeitig erkennen.

In der Pulmo-Studie werten wir Lungenfunktionstests von Kindern und Jugendlichen aus, die routinemässig in der klinischen Nachsorge von Krebsüberlebenden durchgeführt werden. Die Studie hat 2022 am Universitätsspital Bern begonnen und wurde inzwischen auf die Universitätsspitäler in Basel und Genf ausgeweitet. Unser Ziel ist es, Patienten/-innen, die anfällig für Lungenkrankheiten sind, frühzeitig zu erkennen sowie mögliche Risikofaktoren zu bestimmen. Auf diese Weise hoffen wir, die Betreuung ehemals krebskranker Kinder und letztlich ihre langfristige Lebensqualität zu verbessern.

Dieses Projekt wird von der Krebsforschung Schweiz finanziert (KFS-5302-02-2021). Prof. Dr. med. Claudia Kuehni leitet das Projekt in Zusammenarbeit mit pädiatrischen Onkologen/-innen und Lungenärzten/-innen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Dr. med. Christina Schindera, PhD (christina.schindera@unibe.ch) oder Maša Žarković (masa.zarkovic@unibe.ch).

Frühzeitige Erkennung von Herzproblemen nach einer Krebserkrankung im Kindesalter (CardioOnco-Studie)

Ziel der CardioOnco-Studie ist es, Herzprobleme frühzeitig zu erkennen und mögliche Risikofaktoren zu untersuchen. Dabei wird neben dem normalen Herz-Ultraschall auch eine neue Technik eingesetzt, der sogenannte Speckle-Tracking-Ultraschall. Es hat sich gezeigt, dass mit Speckle-Tracking Herzprobleme bei erwachsenen Krebspatienten früher erkannt werden können als mit normalem Herzultraschall.

Diese Studie wird im Rahmen der regulären klinischen Versorgung in den Ambulanzen der teilnehmenden Zentren durchgeführt. Sie begann 2017 am Universitätsspital Bern und wird seit 2021 auf weitere klinische Zentren in der ganzen Schweiz ausgeweitet. Wir hoffen, dass wir in Zukunft zu einer früheren Erkennung von Herzerkrankungen beitragen können, z. B. durch die Implementierung der Speckle-Tracking-Technik in die klinische Versorgung, und dass wir schwerere Herzprobleme wie Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt bei Überlebenden von Krebs im Kindesalter verhindern können.

Das Projekt wird von der Krebsforschung Schweiz (KFS 5027-02-2020) und der Stiftung für krebskranke Kinder, Regio basiliensis (#2021-F003) finanziert und von Dr. med. Christina Schindera, PhD geleitet.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. med. Christina Schindera, PhD (christina.schindera@unibe.ch) oder konsultieren Sie die Studienwebseite.

Genetische Risiken für Krebskomplikationen im Kindesalter Schweiz (GECCOS)

Die GECCOS-Studie untersucht genetische Proben von ehemaligen Patienten, um herauszufinden, ob bestimmte Personen ein höheres Risiko für Spätfolgen haben als andere. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Behandlung bei besonders empfindlichen Patienten/-innen zu ändern oder die Nachsorge anzupassen.

Die GECCOS-Studie ist eine Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und Kinderspitälern in Bern und Genf. Sie wird von der Stiftung CANSEARCH finanziert und von Prof. Dr. med. Marc Ansari geleitet.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. med. Nicolas Waespe nicoals.waespe@unibe.ch).

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Die HEAR Studie

Ein Hörverlust kann die Ausbildung, das soziale Leben und das allgemeine Wohlbefinden von Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindesalter beeinträchtigen. Dieses Problem kann während der Krebsbehandlung oder viele Jahre später auftreten. Aus diesem Grund werden regelmässige Hörtests für jene Personen empfohlen, die Behandlungen erhalten haben, die möglicherweise ihr Gehör beeinträchtigen.

Unser Projekt führte eine einfache und leicht zugängliche Methode für ehemalige Patienten/-innen ein, um ihr Gehör testen zu lassen, d.h. Hörtests in lokalen Hörgerätegeschäften. Mit Umfragen, Interviews und Gruppendiskussionen mit allen Beteiligten (Überlebende, Mitarbeiter/-innen von Hörgerätegeschäften und Ärzte/-innen) hatten wir geschaut, inwieweit dieser Ansatz die bestehenden Nachsorgeprogramme ergänzen könnte.

Der Ansatz sollte niederschwellig und kosteneffizient sein sowie eine minimale Belastung für die ehemaligen Patienten/-innen mit sich bringen. Er sollte zu weiteren Verbesserungen in der Krebsbehandlung, der langfristigen Nachsorge und der Lebensqualität der Überlebenden von Kinderkrebs beitragen.

Das Projekt (HSR-4951-11-2019) wurde von der Krebsforschung Schweiz (KFS) im Rahmen des Förderprogramms zur Stärkung der Versorgungsforschung finanziert und von Prof. Dr. med. Claudia Kuehni zusammen mit pädiatrischen Onkologen/-innen und Audiologen/-innen geleitet.

Studienresultate
Dr. Philippa Jörger hat in den folgenden Artikeln ihre Resultate veröffentlicht:

JMIR Research Protocols, 2025: A Health Service Research Study on a Low-Threshold Hearing Screening Program for Childhood Cancer Survivors in Switzerland: Protocol for the HEAR Study.

Patient Education and Counseling, 2025: Awareness about the risk of hearing loss after ototoxic treatments in Swiss childhood cancer survivors.

Preprint medRxiv, 2025: Hearing screening beyond the clinic: Childhood cancer survivors’ perceptions of a novel hearing screening program.

Ernährung, Übergewicht und gesundheitliche Probleme nach einer Krebserkrankung im Kindesalter

Eine ungesunde Ernährung und Übergewicht können das Risiko für chronische Gesundheitsprobleme nach einer Krebsbehandlung erhöhen. Dazu zählen zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher ist es wichtig, besser zu verstehen, wie sich ehemalige Kinderkrebspatienten/-innen ernähren. In diesem Projekt wurde untersucht, ob einige ehemalige Krebspatienten/-innen eher zu ungesunder Ernährung oder zu Übergewicht neigen als andere.

Zu diesem Zweck wurden im Rahmen des Projekts Informationen aus dem SCCSS, dem Schweizer Kinderkrebsregister und medizinischen Aufzeichnungen analysiert. Das 2015 gestartete Projekt wurde 2022 abgeschlossen. Unsere Ergebnisse sollten der Entwicklung von Ernährungsempfehlungen und Massnahmen zum Gewichtsmanagement für ehemalige Krebspatienten/-innen zugutekommen.

Das Projekt wurde von der Krebsforschung Schweiz (KFS-4722-02-2019), Krebsliga Schweiz (KLS-3644-02-2015) und FORCE (Fondation Recherche sur le Cancer de l’Enfant) finanziert und von Professor Murielle Bochud (CHUV) zusammen mit der Forschungsgruppe Kinderkrebs am ISPM geleitet.

Studienresultate
Dr. Fabiën Belle-van Sprundel hat in den folgenden Artikeln ihre Resultate veröffentlicht:

Nutrients, 2021: Dietary Intake and Diet Quality of Adult Survivors of Childhood Cancer and the General Population: Results from the SCCSS-Nutrition Study
Finden Sie eine Kurzzusammenfassung dieser Studie in leichtverständlicher Sprache hier.

JMIR Research Protocols, 2019: Nutritional Assessment of Childhood Cancer Survivors (the Swiss Childhood Cancer Survivor Study-Nutrition): Protocol for a Multicenter Observational Study

Nutrients, 2019: Sodium and Potassium Intakes and Cardiovascular Risk Profiles in Childhood Cancer Survivors: The SCCSS-Nutrition Study